Das Bild vom „hässlichen Deutschen“

Vom 22. bis zum 25. September steht in Deutschland ein besonderer Staatsbesuch an. Katholikenführer Joseph Ratzinger, auch als Papst Benedikt XVI. bekannt, wird u.a. vor dem Bundestag sprechen. Dem letzten verbliebenen totalitären Diktator innerhalb der Euro-Zone wird mal wieder die Gelegenheit geboten, sich als moralische Instanz aufzuspielen. Dagegen gibt es im Bundestag Protest. Ein bisschen jedenfalls. Einige Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken werden dem Termin aus Protest fernbleiben und sich zum Teil den Gegendemonstrationen anschließen.

Diese “Respektlosigkeit” ruft natürlich die üblichen Hüter von Unterdrückung und Unrecht auf den Plan. Zum Beispiel Kurienkardinal und Ratzinger-Freund Walter Brandmüller. Dieser äußerte sich schockiert gegenüber der Bild-Zeitung: “Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein. Sie verstärken dadurch das Bild vom hässlichen Deutschen, das leider immer noch existiert.” Interessant. Aus Spaß habe ich mal “hässlicher Deutscher” bei der Google-Bildersuche eingegeben. Wer taucht neben Peer Steinbrück und Thilo Sarrazin relativ weit oben auf? Richtig! Joseph Ratzinger.

Aber sein Aussehen ist nicht das Problem. Naja, jedenfalls nicht meins. Unverantwortlich und geradezu widerlich ist der Auftritt dieses Mannes aus anderen Gründen. Ratzinger lässt keine Möglichkeit aus, um deutlich zu machen, dass die katholische Kirche unter seinem Pontifikat nicht nur keine Modernisierungsmaßnahmen anstrebt, sondern im Gegenteil reaktionärer und menschenfeindlicher wird als unter Karol Wojtyła. Homosexualität wird stärker denn je als Sünde gebrandmarkt und während in Uganda die Todesstrafe für Homosexuelle eingeführt werden soll, verteidigt der Papst das Recht eines Landes zur Umsetzung christlicher Gebote. Statt Menschenleben zu retten und Menschenrechte zu schützen, wird Mord und Unterdrückung nicht nur toleriert, sondern offensiv gefördert. Jede Zusammenarbeit mit der Person Joseph Ratzinger und der Institution Vatikan ist ein Verrat an Menschenrechten und Demokratie. Der deutsche Staat hat sich jedoch entschieden, diesem Despoten ein Forum zu bieten und die Mehrheit klatscht und freut sich auf das “historische Ereignis”.

Aber bis vor wenigen Monaten wurde auch Gaddafi noch freundschaftlich in Europa begrüßt. Ob die NATO also in absehbarer Zeit den Vatikanstaat befreit? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Der Bulle von Bochum

Nach dem Ende des Bochumer Nokia-Werks wurde das Hamelner Unternehmen Scanbull als großer Hoffnungsträger gefeiert. 2008 mietete Scanbull Teile des Nokia-Werks an und übernahm 150 ehemalige Beschäftigte. Schon damals habe ich in einem Artikel in der bsz die Euphorie kritisch gesehen. Inzwischen liefert der Suchbegriff “Bochum” auf der Seite von Scanbull keine Ergebnisse mehr, das Scanbull-Schild am Nokia-Werk wurde bereits vor zwei Jahren wieder entfernt.

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Politically Incorrect schöpft Hoffnung aus Norwegen-Massaker

Der brutale Massenmord in Norwegen stellt die rechtspopulistische Szene vor ein zentrales Problem. Die Vorurteile und Ängste, die seit Jahren bewusst gegen Muslime geschürt wurden, werden nun plötzlich gegen sie selbst gerichtet. Ein Bumerang aus Hass und Angst. Das größte deutschsprachige Blog der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Szene – “Politically Incorrect” – übt sich seither in Distanzierungsversuchen und Opferreflexen. In den Kommentaren gibt es aber auch “Hoffnung”. So schreibt yyy123:

Ich habe noch folgende Hoffnung.
Als Anfang 90-er in Deutschland Asylheime brannten, gab es nicht nur Empörung und Lichteketten: die Regierung hat verstanden, dass es so weiter nicht geht und den Asylantenstrom reduziert.
Spätestens jetzt muss es zumindest CDU-FDP klar sein, dass die Regierung in Fragen Migration / Zuwanderung umsteuern muss, um das Land nicht zur zweiten Jugoslawien werden lassen.

Widerspruch gibt es zu dieser Aussage in den Kommentaren nicht. Stattdessen wird lieber im Einklang gejammert, dass man mit so einem Massenmörder ja nichts gemein habe und die “grün-linken” Medien boshaft Gemeinsamkeiten konstruieren. Bei so viel Selbstmitleid (schließlich leidet niemand mehr unter den Folgen dieses Massakers als deutsche Rechtsextremisten) wirkt etwas Hoffnung auf die heilsame Wirkung von brennenden Asylbewerberheimen und ermordeten Jugendlichen natürlich ungemein erfrischend.

Ach bin ich froh, dass Politically Incorrect für “Grundgesetz und Menschenrechte” kämpft.

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Film & Vortrag: Tod im Labor – Warum Tierversuche sinnlos sind

Seit Dezember 2010 existiert nun bereits die von mir und einer Freundin gegründete Tierrechtsinitiative animal academy. Nach viel Grundlagenarbeit und zahlreichen Treffen starten wir nun auch mit ersten Veranstaltungen. Kommende Woche zeigen wir im Rahmen des Alternativen Medienfestivals Bochum den Film „Tod im Labor – Warum Tierversuche sinnlos sind“. Im Anschluss werde ich unter Bezugnahme auf den Film über die Situation an der Ruhr-Universität informieren.

Das Alternative Medienfestival findet am 7. Juli (Donnerstag) ab 15 Uhr in der Rotunde (Katholikentagsbahnhof) im Bermuda3eck statt. Der Film „Tod im Labor“ wird ab 18 Uhr gezeigt.

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Zum Tode verurteilt?

Das Ruhrgebiet ist nicht tot, aber schwer krank. Die demographische Entwicklung und  die wirtschaftliche Orientierungslosigkeit nach dem Ende des Kohlezeitalters machen der “Metropole Ruhr” schwer zu schaffen. Wirft man einen Blick auf die Bevölkerungsentwicklung deutscher Großstädte, ist deutlich zu erkennen, dass das Ruhrgebiet auf der Verliererseite steht und diese sogar anführt. 31 der 80 Großstädte in der Bundesrepublik erleben gerade einen Rückgang ihrer Einwohnerzahlen. Zwölf dieser Städte befinden sich im Ruhrgebiet (Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Hagen, Hamm, Mülheim, Herne, Recklinghausen und Bottrop), weitere sechs in dessen unmittelbarer Nähe (Wuppertal, Mönchengladbach, Krefeld, Solingen, Remscheid und Moers).

Das ist kein Wunder. Die Gesamtbevölkerung schrumpft und diese Entwicklung “zerstört” nicht nur ländliche Regionen mit ihren Klein(st)städten und Gemeinden, sondern ist auch für solche Städte ein Problem, die nach einem großen Boom die Zeichen der Zeit verpasst haben. Dies trifft das Ruhrgebiet natürlich besonders hart. Denn hier ist nicht nur eine einzelne Stadt betroffen, sondern eine ganze Region mit knapp über fünf Millionen Einwohnern. Das Kulturhauptstadtjahr gaukelte zwar eine heile Welt vor, doch bis auf wenige echte Erfolge wie das Still-Leben war nichts zu spüren von Aufbruchstimmung und dem Streben nach einer “Metropole Ruhr”.

Vielleicht ist dieses Bestreben auch bereits gestorben, bevor es wirklich begonnen hat. Die einzelnen Städte begeben sich so oft wie möglich in den direkten Konkurrenzkampf. Hat Essen ein neues Einkaufszentrum, benötigt natürlich auch Dortmund als “größte Stadt im Pott” eins. Und Bochum? Hier hat man Angst, Kaufkraft in beide Richtungen zu verlieren. Also muss auch ein weiteres Innenstadt-Einkaufszentrum her. Und das “größte Einkaufszentrum Deutschlands auf der grünen Wiese” vor den Toren Bochums? Muss natürlich ausgebaut werden. Die Geschichte lässt sich ähnlich über Duisburg, Oberhausen, Witten oder Recklinghausen erzählen. Diese Konkurrenz wäre ja nicht dramatisch, wenn sie dazu führen würde, die einzelnen Städte und damit auch das ganze Ruhrgebiet attraktiver zu machen. Stattdessen werden jedoch kurzfristige Vorteile gesucht, die für die langfristige Stadtplanung eine Katastrophe darstellen.

Bleiben wir beim Beispiel Einkaufszentrum. Denn es ist so schön simpel. Diese Konsumtempel sind profitabel. Der Anteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels, der in solchen Zentren erwirtschaftet wird, wächst und wächst. Das freut besonders die wenigen Betreiberunternehmen sowie die großen Ketten. Schließlich fehlen H&M, McDonalds, NewYorker, Kamps oder auch Saturn/MediaMarkt in kaum einem EKZ. Während sie in der Innenstadt und den Vorortzentren der Konkurrenz lokaler Unternehmen ausgesetzt sind, fehlen diese in den großen Zentren fast gänzlich. Ein leichtes Spiel also. Die Innenstädte und Vororte dagegen verwahrlosen und gleichen sich einander mehr und mehr an. Städtische Eigenheiten weichen dem Einheitsmüll von kik und Tedi. Die Stadt als öffentlicher und sozialer Raum wird mehr und mehr Geschichte.

Doch diese Entwicklung ist keine Eigenart des Ruhrgebiets. Zwar nahm sie hier mit Vorreitern wie dem Ruhrpark und dem CentrO ihren Anfang, aber andere Städte und Regionen erleben ähnliche Phänomene oder stehen kurz davor. Die städteplanerische Blindheit und Egozentrik im Ruhrgebiet ist allgegenwärtig. Trotz enormen Leerstand an Büroflächen wird weiter fleißig an neuen Prestigenflächen gearbeitet. Beispiel Exzenterhaus Bochum. Der architektonisch fraglos schicke Hochhausbau an der Universitätsstraße ist vollkommen unnötig. Trotzdem werden sich zahlungskräftige Mieter finden. Denn aufstrebende Unternehmen brauchen einen repräsentativen Firmensitz. Da ist ein schickes Hochaus in der Innenstadt natürlich weitaus attraktiver als der Altbau in Gerthe. Dass diese Leuchtturmprojekte den Leerstand noch verschärfen und letztlich ganze Ortsteile kaputtmachen können, wird gern ignoriert. Schließlich will man sich mit einer solch “modernen” Städteplanung wieder auf die Siegerstraße katapultieren. Verlieren können die anderen. Duisburg zum Beispiel, oder Herne. Aber Bochum? Niemals.

Ähnlich sieht es aus bei der Planung des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Natürlich will man gut angebunden sein. Aber auch nicht zu gut. Schließlich sollen die Recklinghäuser ihr Geld auch brav in Recklinghausen ausgeben. Kommt man zu schnell nach Bochum oder Essen, ist das gefährlich. Also besser Widerspruch einlegen.

Doch sehen wir dieses provinzielle Denken doch mal als Chance. Das Ruhrgebiet ist keine Ruhrstadt und erst recht nicht die “Metropole Ruhr”. Hier ist es ruhiger als in Berlin und wer es nicht weiß, wird in der Herner Innenstadt sicher nicht darauf kommen, gerade mitten in einem der größten Ballungsräume Europas zu sein. Auch das hat seinen Charme. Vielleicht gilt für das Ruhrgebiet, was scherzhaft immer Düsseldorf zugeschrieben wird: Das größte Dorf Deutschlands zu sein. Die zum Teil miserable Verkehrssituation zwingt die Menschen dazu, vor der Haustür kreativ zu sein. So bietet zum Beispiel Bochum für seine gerade mal noch 367.000 Einwohner ein relativ breites kulturelles Angebot. Zwar nicht wegen, aber trotz “Ruhr.2010″. Doch wer die Schnauze voll hat, kann auch in die Nachbarstädte ausweichen und erlebt zum Teil gänzlich andere Mentalitäten und Eigenarten. Dortmund ist nicht Bochum. Und das ist toll! Ob das im Zuge vereinheitlichter Einkaufszentren, Kinos, Supermärkte und Diskotheken so bleiben wird, ist unklar. Aber hört doch einfach mit diesem Metropolenscheiß auf. Wer eine Metropole will, der geht nach Berlin, Paris oder New York. Wer den Ruhrpott will, der bleibt halt hier. Oder kommt her. Wenn nicht, dann nicht. Das Ruhrgebiet war eine Boom-Region, weil es war, wie es eben war. Es wird nicht plötzlich wieder eine Boom-Region, weil es anfängt, Berlin zu kopieren.

Eine schrullige alte Dame mit Rollator wird auch durch OPs und Kosmetik nicht mehr zur Schönheitskönigin, die man gerne vorzeigt. Verdammt cool ist die alte Dame Ruhrgebiet trotzdem. Ewig leben wird sie zwar nicht mehr. Aber wer will auch schon ewig leben?

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Treffen von animal academy

An diesem Mittwoch (20. April) trifft sich die Gruppe „animal academy“ um 18 Uhr im Foyer des Studierendenhauses (SH) an der Ruhr-Uni. animal academy ist ein Zusammenschluss von TierversuchsgegnerInnen, die sich primär dem Tierleid an deutschen Hochschulen widmen. Gegründet wurde „animal academy“ im Dezember 2010 an der Ruhr-Universität Bochum und ging aus den Anti-Tierversuchs-Protesten des AStA hervor.

Wir haben uns das Ziel gesetzt, Aufklärungsarbeit über Tierversuche an der Ruhr-Universität Bochum und an weiteren Hochschulen zu leisten und darüber hinaus Alternativen aufzuzeigen, um mittelfristig Tierversuche zu überwinden. Außerdem ist es unser Anliegen, Studierenden in betroffenen Fächern zu ermöglichen, ein Studium ohne Tierversuche abzuschließen.

Wir freuen uns auf alle, die mit uns gegen Tierversuche arbeiten möchten!

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Alles OK mit B

Als ich heute in mein Postfach an der Uni schaute, entdeckte ich darin einen dicken Umschlag von der Agentur Steuerung B. Darin befand sich eine Musik-CD mit dem Titel “Alles OK mit B”, dem “Song für die Stadt mit B”. Die Stadt mit B ist nicht etwa Berlin, sondern tatsächlich Bochum. Dabei weiß doch jedes Kind, dass Bochum zwar eine Menge fehlt, ganz gewiss aber keine neue Stadthymne.

Mit Textzeilen wie “Nenn’ mich bekloppt oder durchgedreht, ich bin ein Typ, der hier gerne lebt” oder “Heute Abend geh’ ich raus, vorher ‘ne Currywurst bei Dönninghaus” macht “Alles OK mit B” Grönemeyers “Bochum” vermutlich auch keine Konkurrenz. Aber den Anspruch hatte man bei Steuerung B wohl auch nicht. Der Song ist dermaßen plump und platt, dass er schon wieder witzig ist. Also: Marketingkonzept geglückt. Aber ein bisschen schäme ich mich gerade trotzdem dafür, in der “Stadt mit B” zu leben.

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