Wahl zum 45. Studierendenparlament

Am Ende des Wintersemesters sind alle Studierenden der Ruhr-Universität wieder aufgerufen, ihre politische Vertretung zu bestimmen. Vom 23. bis zum 27. Januar wird dann das neue Studierendenparlament (kurz: StuPa) gewählt, das im Anschluss den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) als politische Vertretung aller Studierenden benennt.

Die Grüne Hochschulgruppe ist seit Jahren stärkste Fraktion im StuPa und stellt auch seit 2009 den Vorsitz des AStA. In dieser Zeit konnten wir bereits viele Erfolge erzielen. Wir konnten an der Abschaffung der Studiengebühren mitwirken, den Anteil von Recyclingpapier auf dem Campus deutlich erhöhen, Anwesenheitspflichten in Seminaren und Vorlesungen stark minimieren, das vegan-vegetarische Angebot in der Mensa ausbauen sowie Alternativen zu Tierversuchen stärken. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt unserer Arbeit. Neben der politischen Arbeit organisieren wir im AStA auch zahlreiche Veranstaltungen. Partys, Poetry Slams, Lesungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen und vieles mehr.

Doch große Aufgaben liegen noch vor uns: Die Verkehrssituation an der RUB ist fatal! Durch eine Takterhöhung der U35 konnten wir die Situation bereits entschärfen, aber noch nicht lösen. Zusätzliche Shuttlebusse zwischen Uni und Hauptbahnhof sind im Gespräch. Gerade im Hinblick auf die steigenden Studierendenzahlen müssen hier Lösungen gefunden werden. Auch die Raumauslastung an der Uni ist bereits jetzt ein enormes Problem.

Wir wollen eine Uni für alle, die aber auch allen Studierenden eine gute Infrastruktur bieten kann. Dieser Herausforderung wollen wir uns auch 2012 stellen und freuen uns über Eure Unterstützung!

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RUB-Mensa wird vegan

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leben vegetarisch. Etwa 500.000 ernähren sich vegan, verzichten auf Milch, tierische Fette und Eiweiße. Vegetarische Alternativen sind in den Gastronomiebetrieben des Akademischen Förderungswerks (AKAFÖ) seit langem an der Tagesordnung. In der großen Mensa der Ruhr-Universität folgt jetzt auch ein regelmäßiges veganes Angebot.

Nach einigen Kundenwünschen in diese Richtung hat das AKAFÖ in der Cafeteria des Unigebäudes GB vor knapp drei Jahren vegane Speisen ins Angebot genommen. Brötchen und Bagel mit veganen Aufstrichen, Soja-Drinks und veganer Pudding können dort seitdem täglich bestellt werden. Im Mai besuchte außerdem der vegane Fernsehkoch Björn Moschinski das Team der RUB-Mensa und hielt einen Workshop zum veganen Kochen ab. Das Ergebnis wurde den Kunden am nächsten Tag im Aktionsbereich vorgestellt: Es gab ein veganes Frikassee mit Reis und Salat.

Um dem wachsenden veganen Kundenstamm beim Mittagessen in der Mensa stetiger gerecht zu werden, ist dort ab sofort mindestens einmal die Woche ein veganes Angebot auf dem Speiseplan. Hartweizen-Nudeln mit veganer Bolognese sind an der Nudeltheke täglich zu haben.

Für das vegane Angebot hat die Produktionsleitung auch den bestehenden Speiseplan noch einmal genau unter die Lupe genommen und herausgefunden, dass Gerichte wie etwa der Graupeneintopf bereits ohne tierische Inhaltsstoffe auskommen. Weitere vegane Mensagerichte, die in den nächsten Wochen auf dem Plan stehen, sind etwa: Tofupfanne „Griechischer Art“, Sauerkrauteintopf oder Chili Sin Carne.

Damit die Gerichte für VeganerInnen leicht zu erkennen sind, sind sie auf dem Speiseleitsystem im Mensafoyer und an den Ausgabetheken selbst mit einem Sonnenblumen-Symbol gekennzeichnet. Mittelfristig soll auch der Online-Speiseplan auf der Homepage so umgestellt werden, dass er vegane Gerichte anzeigt und so den Mensagang auch für diese Kundengruppe besser planbar macht.

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Tag der Demokratie

Heute wird der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Ein Feiertag, der widersprüchliche Gefühle in mir auslöst. Der Sieg demokratischer Kräfte über die SED-Diktatur war ein großartiges Ereignis. Zwar spielten auch verschiedene innere und äußere Umstände beim Zusammenbruch der DDR eine Rolle; die Bedeutung der Montagsdemonstrationen sollte jedoch nicht vernachlässigt werden. Das SED-Regime erlebte eine demokratische Revolution und wurde mit friedlichen Mitteln zum Rückzug gezwungen. Leider führte der Unmut über die Zustände im „sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat“ zu einem fragwürdigen Schwarz-Weiß-Denken. So wurde der Westen Deutschlands zum Paradies hochstilisiert und die eigenen demokratischen Erfolge leichtfertig gegen einen Beitritt zur BRD eingetauscht.

Gefeiert wird am 3. Oktober auch offiziell lediglich die „Deutsche Einheit“, nicht der Sieg der Demokratie über Diktatur und Unterdrückung. Beinahe unbemerkt werden diese ganz und gar unterschiedlichen Folgen des Mauerfalls gleichgesetzt. Wäre eine Demokratie im Osten Deutschlands etwa weniger wert, wenn sie unabhängig von der BRD entstanden wäre? Worte zum Tag der Deutschen Einheit entlarven leider viel zu oft, dass nicht Werte wie Menschenrechte oder Freiheit im Vordergrund stehen, sondern nationales Bewusstsein. Die Unterdrückungspolitik der SED bot manchen ein gutes Alibi, um nach 1945 wieder „großdeutsch“ und „völkisch“ zu denken.

Nicht die Wiedervereinigung Deutschlands sollte doch der zentrale Aspekt sein, sondern die Durchsetzung freiheitlicher Grundsätze in der ehemaligen DDR. Ein kritischer Dialog über Nationalismus im Zuge der Feierlichkeiten am 3. Oktober ist kaum möglich. Schnell fällt der Vorwurf, das SED-Regime zu verharmlosen und Deutschland auf die Nazi-Zeit zu reduzieren. Gefährlichen Nationalismus gab es jedoch nicht bloß zwischen 1933 und 1945. In dieser Zeit spitzte sich dieser allerdings zur vielleicht größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte zu. Ein größenwahnsinniger Nationalist, Antisemit und späterer Massenmörder kam nicht durch Zufall an die Macht, sondern weil er eine immer größere AnhängerInnenschaft von sich begeistern konnte.

Unter Berücksichtigung dieser historischen Fakten erscheint es unverantwortlich, den Nationalismus Deutschlands auf die Nazi-Zeit zu reduzieren. Er existierte vor 1933 und existierte auch nach 1945 fort. Daher ist es von enormer Wichtigkeit, nationalistische und faschistische Bestrebungen frühzeitig zu entlarven, bevor sie Schaden anrichten können. Auch und gerade am 3. Oktober!

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„Tierschutz konsequent umsetzen“ – Sind die Grünen die richtige Adresse?

Am Samstag fand in Berlin ein Tierschutzkongress der Grünen Bundestagsfraktion unter dem Motto „Tierschutz konsequent umsetzen!“ statt. Dass ich mit meiner Definition von konsequentem Tierschutz nicht gerade mehrheitsfähig bin bei den Grünen, war mir natürlich im Vorfeld bewusst. Trotzdem hinterlässt der Kongress unterschiedliche Gefühle.

Vorweg: Die Grünen sind die einzige größere politische Kraft in Deutschland, die Tierschutz seit Jahrzehnten auf der Agenda hat und (mal mehr, mal weniger) an der Umsetzung dessen arbeitet. Die Tierschutzpartei leistet in diesem Bereich auch wichtige Arbeit, bleibt aber gerade auch aufgrund der monothematischen Ausrichtung realpolitisch weitgehend unbedeutend. Schließlich sind Natur-/Tierschutz sowie Tierrechte auch nicht ohne eine umfassendere Kritik am Wirtschaftssystem und seiner Ausbeutungsmechanismen denkbar. Daran fehlt es bei der Tierschutzpartei leider sehr oft. Bei den Grünen aber natürlich auch in vielen Fällen. Linke und SPD dagegen sind immer wieder dabei, wenn es darum geht, tierrechtliche Vorstöße (unabhängig ob von den Grünen oder anderen Gruppen) abzuweisen.

Zurück zum Kongress: Das Thema Tierschutz wurde in drei Teilbereiche geteilt: „Unterhaltungsfaktor Tier“ (Zirkus, Zoo, Film, Fernsehen), „Kuschelfaktor Tier“ (Haustierhaltung, Exotenhaltung) und „Tierschutz auf dem Teller“. Meinen Schwerpunkt möchte ich in diesem Artikel im dritten Bereich setzen. Bei den ersten Punkten gab es große Einigkeit und die Diskussionen verliefen sachlich. Problematisch war lediglich, dass das Thema Tierzucht nicht grundsätzlich kritisiert und als Ursache von Tierleid hinterfragt wurde. Tiere werden aus kommerziellen sowie aus nicht-kommerziellen Gründen „produziert“. Wer nicht den Wünschen und Vorstellungen der Kundinnen und Kunden (oder der Hobbyzüchterinnen und -züchter) entspricht, wird gefoltert, getötet, ausgesetzt. Tierheime sind überfüllt und stehen in fast allen Orten immer wieder am Rande der Insolvenz, weil „überproduzierte“ Tiere häufig einfach vor dem Tierheim ausgesetzt werden. Aus Mangel an Alternativen werden Tiere, die als „nicht vermittelbar“ gelten, oft schnell eingeschläfert. In diesem Bereich hätte ich mir mutigere Ziele versprochen. Schade.

Emotional und aggressiv wird es aber natürlich immer, wenn es um das eigene Schnitzel geht. Die Diskussion, ob nun vegan, vegetarisch oder ein „bewusster“ Umgang mit Fleischkonsum die richtige Ernährungsform ist, kam natürlich auch beim Kongress in Berlin schnell auf. Ich möchte jetzt aber nicht auf jede Anfeindung und jeden Nebenkriegsschauplatz eingehen. Dies schadet der Bewegung und hilft denen, für die Tierschutz und Tierrechte weiterhin Fremdworte sind. Insgesamt war die Stimmung letztlich auch überraschend entspannt. Dies hat einen simplen Grund. Dafür möchte ich jedoch etwas ausholen. Bei der Diskussion zum Thema „Tierschutz auf dem Teller“ war auch Karen Duve auf dem Podium. Duve ist Schriftstellerin und unternahm den Selbstversuch, zunächst bio, dann vegetarisch, im Anschluss vegan und schließlich frutarisch zu leben. Während sie sich vegan ernährte (heute ist Karen Duve überzeugte Vegetarierin, bemüht sich jedoch, weitgehend vegan zu leben), traf sie sich mit dem veganen Tierrechtler Achim Stößer, der in erster Linie durch seine kompromisslose „Vegetarier sind Mörder“-Haltung bekannt ist. Seine politische Überzeugung lässt keine schrittweise Veränderung hin zu einem Ideal zu. Veganismus ist die einzig ethisch vertretbare Haltung. Fertig aus. Wer lediglich VegetarierIn ist, wirft lediglich weniger Brandbomben in Asylbewerberheime, so Stößers Analogie.

Ich halte den Veganismus auch für die einzig vertretbare ethische Haltung gegenüber Tieren. Soweit stimme ich Stößer zu. Dann hört es aber auch schon auf. Die konsequente Ablehnung von Reformismus ist naiv und gefährlich. Beim Kongress in Berlin trafen sich viele Menschen, die sich darüber einig sind, dass Tierschutz in unserer Gesellschaft einen zu geringen Stellenwert besitzt. Dass die Meinungen über die Konsequenzen dieser Haltung weit auseinander gehen, ist ein nicht zu bestreitender Fakt. Daher gab es am Ende auch überraschend große Übereinstimmungen, weil sich alle einig waren, dass Veränderungen nur durch Reformen und ein breites Umdenken möglich sind. Ich finde es weiterhin furchtbar, dass eine Mehrheit der Grünen relativ unkritisch mit ihrem eigenen Fleischkonsum umgeht. Aber wenn sich die gleichen Menschen engagiert gegen Massentierhaltung, Tierversuche und Tiere in der Unterhaltungsindustrie einsetzen, dann ist das großartig und ein Gewinn für die Tiere! Enttäuscht war ich darüber, dass ein Parteifreund aus NRW der Meinung war, als VeganerIn habe man nichts auf einem Tierschutzkongress verloren, weil man doch viel mehr anstrebe, als in diesem Rahmen erreicht werden könne. Natürlich möchte ich mehr erreichen für die Tiere, als ich es in meinem gesamten Leben können werde. Trotzdem ist jeder Fortschritt besser als keiner. Radikale politische Forderungen und realpolitische Arbeit müssen sich nicht widersprechen. Sie dürfen sich nicht widersprechen! Ein naiver Glaube an eine Revolution ohne Reform und Fortschritt ohne Kompromisse stärkt die politische Gegenseite und schwächt linke Positionen.

Daher ziehe ich folgendes Fazit aus dem Kongress: Auch bei den Grünen besteht enormer Nachholbedarf im Themenkomplex Tierrechte. Aber nicht trotzdem, sondern gerade deswegen werde ich mich weiterhin bei den Grünen zu diesem Thema engagieren!

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Die Zeugen LaRouches

Sie haben das Patentrezept! Sie informieren unmündige Studierende darüber, dass das StudiVZ ein „KZ ohne Tränen“ sei! Sie wissen, was Adolf Hitler über die EU-Verfassung denkt! Sie klären darüber auf, dass der Dalai Lama eine „Marionette des Westens“ ist und die Briten (oder wahlweise auch die Juden) für das Übel in der Welt verantwortlich sind. Für diese Weisheiten kann nur eine Gruppierung verantwortlich sein: die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ (BüSo). Hinter dem unverdächtigen Namen verbirgt sich die 1992 gegründete Nachfolgepartei der „Patrioten für Deutschland“. Sie ist Teil der LaRouche-Bewegung, der KritikerInnen sektenartige Strukturen vorwerfen.

Eigentlich ist die BüSo politisch völlig unbedeutend. Die Wahlergebnisse liegen bundesweit bei etwa 0,1 Prozent und auch kommunale Erfolge kann die Organisation nicht vorweisen. Dennoch gelingt es ihr, in vielen Städten Deutschlands Präsenz zu zeigen. Auch in Bochum ist sie regelmäßig auf dem Campus und in der Innenstadt mit kleinen Ständen vertreten. Auf selbstgemalten Plakaten teilen die Parteimitglieder ihr Weltbild mit (siehe Einleitung). Manchmal amüsant, dann wieder erschreckend oder auch erschreckend einfältig, was dort zu lesen ist. Das Steckenpferd der Partei ist die Finanzkrise. Schon vor Jahren warnte BüSo-Oberguru Lyndon LaRouche vor dem Zusammenbruch der Finanzmärkte. In aktuellen Publikationen ist die Schadenfreude über die vermeintliche Bestätigung der eigenen Thesen schwer zu überlesen und man fühlt sich an Jugendliche erinnert, die stolz verkünden, eine bestimmte Band schon lange gekannt zu haben, bevor sie „cool“ und „angesagt“ war.

Die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ ist kein Einzelphänomen, sondern Teil einer internationalen Bewegung, angeführt von Lyndon LaRouche, der sich seit rund dreißig Jahren erfolglos darum bemüht, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Neben Amerika zählt Deutschland zu den wichtigsten politischen Spielplätzen der LaRouche-Bewegung. 1977 heirate LaRouche die damals 29jährige Helga Zepp, die seither – als Helga Zepp-LaRouche – die Aktivitäten in der Bundesrepublik koordiniert. In Deutschland gehören unter anderem die Zeitschrift „Neue Solidarität“, der Verein „Club of Life“, die Nachrichtenagentur „Executive Intelligence Review“ sowie weitere Organisationen zur „Förderung der Kernenergie“ und für „Frieden und Demokratie“ zum Dunstkreis der umstrittenen Bewegung. In der Öffentlichkeit treten neben der Partei „BüSo“ vor allem die „LaRouche-Jugendbewegung“ und das „Schiller-Institut“ auf.

Mit klassischen Attributen des politischen Koordinatensystems lässt sich die BüSo nur schwer beschreiben. In seiner frühen politischen Karriere war LaRouche überzeugter Trotzkist und bis heute finden sich immer wieder Bezüge zu Marx und Trotzki in seinen Schriften. Gleichzeitig spricht der Anführer der nach ihm benannten Bewegung von einer „zionistischen Verschwörung“, was ihm gerade in den USA den Ruf als antisemitischer Faschist einbrachte. Andere Blätter erklären das Mitglied der US-Demokraten aufgrund seiner marxistischen Vergangenheit zum Kommunisten. Unabhängig von diesen Einordnungen wird die LaRouche-Bewegung unter anderem von AussteigerInnen mit dem Vorwurf konfrontiert, sie sei eine Politsekte, die ihre Mitglieder sozial isoliert und politische Gegner zu Mittätern diverser Weltverschwörungen erklärt. Als WeltverschwörerInnen unterwegs sind laut BüSo die US-Regierung, das britische Königshaus, die „zionistische Lobby“ oder auch die Grünen in Zusammenarbeit mit diversen Umweltorganisationen.

Ihren Höhepunkt erlebten die Vorwürfe gegen LaRouche & Co. vor acht Jahren, als ein britischer Student mit jüdischen Wurzeln nach einer Veranstaltung in Wiesbaden des ebenfalls von Zepp-LaRouche geleiteten Schiller-Instituts ums Leben kam. Die Polizei geht von Selbstmord aus, Zweifel daran gibt es jedoch bis heute: Der junge Student rief kurz vor seinem Tod seine Mutter und seine Freundin an und berichtete von der antisemitischen Hetze bei der Veranstaltung und schilderte, dass er große Angst habe. Trotz dieser Informationen und internationaler Proteste zur Neuaufwicklung des Falls wurde ein Verfahren jedoch nicht aufgenommen.

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Das Bild vom „hässlichen Deutschen“

Vom 22. bis zum 25. September steht in Deutschland ein besonderer Staatsbesuch an. Katholikenführer Joseph Ratzinger, auch als Papst Benedikt XVI. bekannt, wird u.a. vor dem Bundestag sprechen. Dem letzten verbliebenen totalitären Diktator innerhalb der Euro-Zone wird mal wieder die Gelegenheit geboten, sich als moralische Instanz aufzuspielen. Dagegen gibt es im Bundestag Protest. Ein bisschen jedenfalls. Einige Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken werden dem Termin aus Protest fernbleiben und sich zum Teil den Gegendemonstrationen anschließen.

Diese „Respektlosigkeit“ ruft natürlich die üblichen Hüter von Unterdrückung und Unrecht auf den Plan. Zum Beispiel Kurienkardinal und Ratzinger-Freund Walter Brandmüller. Dieser äußerte sich schockiert gegenüber der Bild-Zeitung: „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein. Sie verstärken dadurch das Bild vom hässlichen Deutschen, das leider immer noch existiert.“ Interessant. Aus Spaß habe ich mal „hässlicher Deutscher“ bei der Google-Bildersuche eingegeben. Wer taucht neben Peer Steinbrück und Thilo Sarrazin relativ weit oben auf? Richtig! Joseph Ratzinger.

Aber sein Aussehen ist nicht das Problem. Naja, jedenfalls nicht meins. Unverantwortlich und geradezu widerlich ist der Auftritt dieses Mannes aus anderen Gründen. Ratzinger lässt keine Möglichkeit aus, um deutlich zu machen, dass die katholische Kirche unter seinem Pontifikat nicht nur keine Modernisierungsmaßnahmen anstrebt, sondern im Gegenteil reaktionärer und menschenfeindlicher wird als unter Karol Wojtyła. Homosexualität wird stärker denn je als Sünde gebrandmarkt und während in Uganda die Todesstrafe für Homosexuelle eingeführt werden soll, verteidigt der Papst das Recht eines Landes zur Umsetzung christlicher Gebote. Statt Menschenleben zu retten und Menschenrechte zu schützen, wird Mord und Unterdrückung nicht nur toleriert, sondern offensiv gefördert. Jede Zusammenarbeit mit der Person Joseph Ratzinger und der Institution Vatikan ist ein Verrat an Menschenrechten und Demokratie. Der deutsche Staat hat sich jedoch entschieden, diesem Despoten ein Forum zu bieten und die Mehrheit klatscht und freut sich auf das „historische Ereignis“.

Aber bis vor wenigen Monaten wurde auch Gaddafi noch freundschaftlich in Europa begrüßt. Ob die NATO also in absehbarer Zeit den Vatikanstaat befreit? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Der Bulle von Bochum

Nach dem Ende des Bochumer Nokia-Werks wurde das Hamelner Unternehmen Scanbull als großer Hoffnungsträger gefeiert. 2008 mietete Scanbull Teile des Nokia-Werks an und übernahm 150 ehemalige Beschäftigte. Schon damals habe ich in einem Artikel in der bsz die Euphorie kritisch gesehen. Inzwischen liefert der Suchbegriff „Bochum“ auf der Seite von Scanbull keine Ergebnisse mehr, das Scanbull-Schild am Nokia-Werk wurde bereits vor zwei Jahren wieder entfernt.

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Politically Incorrect schöpft Hoffnung aus Norwegen-Massaker

Der brutale Massenmord in Norwegen stellt die rechtspopulistische Szene vor ein zentrales Problem. Die Vorurteile und Ängste, die seit Jahren bewusst gegen Muslime geschürt wurden, werden nun plötzlich gegen sie selbst gerichtet. Ein Bumerang aus Hass und Angst. Das größte deutschsprachige Blog der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Szene – „Politically Incorrect“ – übt sich seither in Distanzierungsversuchen und Opferreflexen. In den Kommentaren gibt es aber auch „Hoffnung“. So schreibt yyy123:

Ich habe noch folgende Hoffnung.
Als Anfang 90-er in Deutschland Asylheime brannten, gab es nicht nur Empörung und Lichteketten: die Regierung hat verstanden, dass es so weiter nicht geht und den Asylantenstrom reduziert.
Spätestens jetzt muss es zumindest CDU-FDP klar sein, dass die Regierung in Fragen Migration / Zuwanderung umsteuern muss, um das Land nicht zur zweiten Jugoslawien werden lassen.

Widerspruch gibt es zu dieser Aussage in den Kommentaren nicht. Stattdessen wird lieber im Einklang gejammert, dass man mit so einem Massenmörder ja nichts gemein habe und die „grün-linken“ Medien boshaft Gemeinsamkeiten konstruieren. Bei so viel Selbstmitleid (schließlich leidet niemand mehr unter den Folgen dieses Massakers als deutsche Rechtsextremisten) wirkt etwas Hoffnung auf die heilsame Wirkung von brennenden Asylbewerberheimen und ermordeten Jugendlichen natürlich ungemein erfrischend.

Ach bin ich froh, dass Politically Incorrect für „Grundgesetz und Menschenrechte“ kämpft.

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Film & Vortrag: Tod im Labor – Warum Tierversuche sinnlos sind

Seit Dezember 2010 existiert nun bereits die von mir und einer Freundin gegründete Tierrechtsinitiative animal academy. Nach viel Grundlagenarbeit und zahlreichen Treffen starten wir nun auch mit ersten Veranstaltungen. Kommende Woche zeigen wir im Rahmen des Alternativen Medienfestivals Bochum den Film „Tod im Labor – Warum Tierversuche sinnlos sind“. Im Anschluss werde ich unter Bezugnahme auf den Film über die Situation an der Ruhr-Universität informieren.

Das Alternative Medienfestival findet am 7. Juli (Donnerstag) ab 15 Uhr in der Rotunde (Katholikentagsbahnhof) im Bermuda3eck statt. Der Film „Tod im Labor“ wird ab 18 Uhr gezeigt.

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Zum Tode verurteilt?

Das Ruhrgebiet ist nicht tot, aber schwer krank. Die demographische Entwicklung und  die wirtschaftliche Orientierungslosigkeit nach dem Ende des Kohlezeitalters machen der „Metropole Ruhr“ schwer zu schaffen. Wirft man einen Blick auf die Bevölkerungsentwicklung deutscher Großstädte, ist deutlich zu erkennen, dass das Ruhrgebiet auf der Verliererseite steht und diese sogar anführt. 31 der 80 Großstädte in der Bundesrepublik erleben gerade einen Rückgang ihrer Einwohnerzahlen. Zwölf dieser Städte befinden sich im Ruhrgebiet (Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen, Hagen, Hamm, Mülheim, Herne, Recklinghausen und Bottrop), weitere sechs in dessen unmittelbarer Nähe (Wuppertal, Mönchengladbach, Krefeld, Solingen, Remscheid und Moers).

Das ist kein Wunder. Die Gesamtbevölkerung schrumpft und diese Entwicklung „zerstört“ nicht nur ländliche Regionen mit ihren Klein(st)städten und Gemeinden, sondern ist auch für solche Städte ein Problem, die nach einem großen Boom die Zeichen der Zeit verpasst haben. Dies trifft das Ruhrgebiet natürlich besonders hart. Denn hier ist nicht nur eine einzelne Stadt betroffen, sondern eine ganze Region mit knapp über fünf Millionen Einwohnern. Das Kulturhauptstadtjahr gaukelte zwar eine heile Welt vor, doch bis auf wenige echte Erfolge wie das Still-Leben war nichts zu spüren von Aufbruchstimmung und dem Streben nach einer „Metropole Ruhr“.

Vielleicht ist dieses Bestreben auch bereits gestorben, bevor es wirklich begonnen hat. Die einzelnen Städte begeben sich so oft wie möglich in den direkten Konkurrenzkampf. Hat Essen ein neues Einkaufszentrum, benötigt natürlich auch Dortmund als „größte Stadt im Pott“ eins. Und Bochum? Hier hat man Angst, Kaufkraft in beide Richtungen zu verlieren. Also muss auch ein weiteres Innenstadt-Einkaufszentrum her. Und das „größte Einkaufszentrum Deutschlands auf der grünen Wiese“ vor den Toren Bochums? Muss natürlich ausgebaut werden. Die Geschichte lässt sich ähnlich über Duisburg, Oberhausen, Witten oder Recklinghausen erzählen. Diese Konkurrenz wäre ja nicht dramatisch, wenn sie dazu führen würde, die einzelnen Städte und damit auch das ganze Ruhrgebiet attraktiver zu machen. Stattdessen werden jedoch kurzfristige Vorteile gesucht, die für die langfristige Stadtplanung eine Katastrophe darstellen.

Bleiben wir beim Beispiel Einkaufszentrum. Denn es ist so schön simpel. Diese Konsumtempel sind profitabel. Der Anteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels, der in solchen Zentren erwirtschaftet wird, wächst und wächst. Das freut besonders die wenigen Betreiberunternehmen sowie die großen Ketten. Schließlich fehlen H&M, McDonalds, NewYorker, Kamps oder auch Saturn/MediaMarkt in kaum einem EKZ. Während sie in der Innenstadt und den Vorortzentren der Konkurrenz lokaler Unternehmen ausgesetzt sind, fehlen diese in den großen Zentren fast gänzlich. Ein leichtes Spiel also. Die Innenstädte und Vororte dagegen verwahrlosen und gleichen sich einander mehr und mehr an. Städtische Eigenheiten weichen dem Einheitsmüll von kik und Tedi. Die Stadt als öffentlicher und sozialer Raum wird mehr und mehr Geschichte.

Doch diese Entwicklung ist keine Eigenart des Ruhrgebiets. Zwar nahm sie hier mit Vorreitern wie dem Ruhrpark und dem CentrO ihren Anfang, aber andere Städte und Regionen erleben ähnliche Phänomene oder stehen kurz davor. Die städteplanerische Blindheit und Egozentrik im Ruhrgebiet ist allgegenwärtig. Trotz enormen Leerstand an Büroflächen wird weiter fleißig an neuen Prestigenflächen gearbeitet. Beispiel Exzenterhaus Bochum. Der architektonisch fraglos schicke Hochhausbau an der Universitätsstraße ist vollkommen unnötig. Trotzdem werden sich zahlungskräftige Mieter finden. Denn aufstrebende Unternehmen brauchen einen repräsentativen Firmensitz. Da ist ein schickes Hochaus in der Innenstadt natürlich weitaus attraktiver als der Altbau in Gerthe. Dass diese Leuchtturmprojekte den Leerstand noch verschärfen und letztlich ganze Ortsteile kaputtmachen können, wird gern ignoriert. Schließlich will man sich mit einer solch „modernen“ Städteplanung wieder auf die Siegerstraße katapultieren. Verlieren können die anderen. Duisburg zum Beispiel, oder Herne. Aber Bochum? Niemals.

Ähnlich sieht es aus bei der Planung des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Natürlich will man gut angebunden sein. Aber auch nicht zu gut. Schließlich sollen die Recklinghäuser ihr Geld auch brav in Recklinghausen ausgeben. Kommt man zu schnell nach Bochum oder Essen, ist das gefährlich. Also besser Widerspruch einlegen.

Doch sehen wir dieses provinzielle Denken doch mal als Chance. Das Ruhrgebiet ist keine Ruhrstadt und erst recht nicht die „Metropole Ruhr“. Hier ist es ruhiger als in Berlin und wer es nicht weiß, wird in der Herner Innenstadt sicher nicht darauf kommen, gerade mitten in einem der größten Ballungsräume Europas zu sein. Auch das hat seinen Charme. Vielleicht gilt für das Ruhrgebiet, was scherzhaft immer Düsseldorf zugeschrieben wird: Das größte Dorf Deutschlands zu sein. Die zum Teil miserable Verkehrssituation zwingt die Menschen dazu, vor der Haustür kreativ zu sein. So bietet zum Beispiel Bochum für seine gerade mal noch 367.000 Einwohner ein relativ breites kulturelles Angebot. Zwar nicht wegen, aber trotz „Ruhr.2010″. Doch wer die Schnauze voll hat, kann auch in die Nachbarstädte ausweichen und erlebt zum Teil gänzlich andere Mentalitäten und Eigenarten. Dortmund ist nicht Bochum. Und das ist toll! Ob das im Zuge vereinheitlichter Einkaufszentren, Kinos, Supermärkte und Diskotheken so bleiben wird, ist unklar. Aber hört doch einfach mit diesem Metropolenscheiß auf. Wer eine Metropole will, der geht nach Berlin, Paris oder New York. Wer den Ruhrpott will, der bleibt halt hier. Oder kommt her. Wenn nicht, dann nicht. Das Ruhrgebiet war eine Boom-Region, weil es war, wie es eben war. Es wird nicht plötzlich wieder eine Boom-Region, weil es anfängt, Berlin zu kopieren.

Eine schrullige alte Dame mit Rollator wird auch durch OPs und Kosmetik nicht mehr zur Schönheitskönigin, die man gerne vorzeigt. Verdammt cool ist die alte Dame Ruhrgebiet trotzdem. Ewig leben wird sie zwar nicht mehr. Aber wer will auch schon ewig leben?

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